Dienstag, 24. Januar 2017

Zickzack-Sigis letzter Haken.



OK, das hat sich schon mal wieder bestätigt:
Die SPD ist grundsätzlich unfähig einen Kanzlerkandidaten zu bestimmen, ohne daß die halbe Partei vor den Kopf gestoßen ist.

Aber wie immer, wenn es um Macht geht, hat die Partei die Hosen voll und verfällt daher in den bekannten Hühnerhaufen-Modus.

[….] Alle vier Jahre widmet sich die SPD-Spitze einem sonderbaren Ritual. Zunächst versichern die obersten Genossen, sich in der Frage der Kanzlerkandidatur von nichts und niemandem unter Druck setzen zu lassen, sondern zu gegebener Zeit eine Entscheidung zu treffen. Es steigen dann allmählich Druck und Nervosität, bis am Ende alle Zeitpläne über den Haufen geworfen werden und es zur Sturzgeburt eines Kandidaten kommt. So war es vor den Wahlen 2009 und 2013. Und so könnte es nun wieder kommen.  [….](…..) [….]

Der gelegentlich so kluge Mäandertaler Sigmar Gabriel, der sich einfach nicht entscheiden kann, wird es vermutlich auch dieses mal versaubeuteln. (…..)

Merkel wäre durchaus zu schlagen, wenn man ihr ein politisches Schwergewicht gegenüberstellte.
Zu offensichtlich sind nach 12 Jahren ihre ungeheuerlichen Versäumnisse in jedem Politikbereich, zu klar ist ihre völlige Konzeptionslosigkeit.
Ich behaupte, eine Person wie Willy Brandt, Helmut Schmidt oder der Gerhard Schröder von 1998 würde Merkel im Jahr 2017 klar hinter sich lassen.

Unglücklicherweise gibt es so eine Person in der SPD derzeit nicht.
Unglücklicherweise ist das Ansehen der Gesamtpartei derzeit so mies, daß ein mittelcharismatischer Kandidat nicht auf Rückenwind der Partei setzen kann.

Deutsche Politik im 21. Jahrhundert ist eine Kette von Kompromissen und die Suche nach der an wenigsten schlechten Lösung.
Auch wenn man es schon singen kann – es stimmt, daß Globalisierung und Vernetzung, daß Internationalität und World Wide Web Regieren viel komplizierter gemacht haben.
Weise Männer wie Helmut Schmidt sahen internationale ökonomische und militärische Konflikte lange kommen, setzten sich rechtzeitig mit vier, fünf oder sechs anderen Regierungschefs zum Brainstorming zusammen und erarbeiteten Lösungen, welche verlässlich umgesetzt wurden.
Bei aller Liebe zu Schmidt; so eine vorrausschauende Weltpolitik ist heute viel komplizierter geworden. Es gehören sehr viel mehr Menschen an den Tisch, die Probleme kommen schneller und im Internetzeitalter sind vertrauliche langfristige Absprachen kaum noch möglich.
Das gilt für die wichtigen handelnden Personen untereinander genau wie die Sicht des Volkes auf ihre eigene Regierung.
Petitessen, die vor 40 Jahren niemand erfahren hätte, können heute die Zustimmungswerte zu einem Minister so abstürzen lassen, daß er nahezu handlungsunfähig wird.

Die agierenden Politiker müssen viel mehr Rücksicht auf Befindlichkeiten der Wähler nehmen.
Die von Facebook und Fakemedien verwirrten Wähler sind keinesfalls mehr bereit ihren Führungsfiguren auf Wegen zu folgen, die sie nicht auf den ersten Blick als persönlich nützlich ansehen.
Wer einmal medial abgeschrieben ist, hat so gut wie keine Chance mehr seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit grundsätzlich zu ändern.

Meine Sicht auf Sigmar Gabriel muß ich heute nicht ändern; ich kann nur das wiederholen, was ich schon 100 Mal geschrieben habe:
Gabriel ist ein hochintelligenter Politiker, der fantastische Reden vor riesigem Auditorium halten kann und in kleiner Runde sympathisch, nachdenklich und sehr konstruktiv sein kann.
Aber er gibt diese erratisch, irrationale Seite.
Immer wieder stößt Gabriel auf unerklärliche Weise Kollegen, Parteibasis und Journalisten vor den Kopf.
Seine Schwenks bei TTIP, Vorratsdatenspeicherung oder Waffenexporten sind berüchtigt. Jedes Mal wenden sich wieder ein paar Wähler für immer von ihm ab.
Ja, es ist ungerecht, wenn man es mit den hohen Zustimmungswerten zu Personen wie Merkel vergleicht, die bei TTIP, Waffenexporten und VDS die gleichen Positionen wie Gabriel vertritt, dies aber einfach nicht öffentlich sagt.

Sigmar Gabriel ist nicht so doof, sein Standing beim Wähler nicht Chance gegen Merkel – egal wer von beiden was inhaltlich vertritt.
Gabriel befindet sich demoskopisch in Generalverschiss; so wie die FDP in den Jahren 2012 und 2013.

Natürlich könnte er dennoch Kanzlerkandidat werden, weil es keinen parteiinternen Konkurrenten gibt und 95% der Deutschen die Bundestagswahl dieses Jahres ohnehin für entschieden halten.

Es gibt aber mit Martin Schulz einen Politiker, der weder auf Landes-, noch auf Bundes- noch auf Europa-Ebene je ein Amt in der Exekutive hatte.
Er ist somit mit keinen im Volk unbeliebten Themen wie TTIP assoziiert. Ein Vorteil, durch den die SPD ein paar Prozentpunkte und Mandate mehr erringen könnte.
Also ist es eine sinnige Entscheidung auf Schulz zu setzen.

Gabriels Außenminister-Faux-pas zeigt einmal mehr, daß er als Spitzenkandidat nichts mehr taugt.

Das Außenamt als Hort der Entspannung. So daß man mehr Zeit für seine Familie hat?
Ich kann nicht glauben, daß ein intelligenter Mann wie Gabriel so einen Unfug von sich geben kann.
Das ist so Westerwelle.

(……) Außenminister Westerwelle […..] gilt als desinteressiert und wenig engagiert.
Bevor er Außenminister wurde, war er noch nie in Washington oder Paris und hatte sich aufgrund seiner Faulheit auch nie in die Konfliktherde unserer Welt eingelesen.
Legendär seine vollkommen irrsinnige Ansicht das Außenamt sei ein Schön-Wetter-Spaß, welches kaum Arbeit erfordere, weswegen er sich nicht darauf beschränken werde, sich „ein paar schöne Jahre im Außenamt“ zu machen, sondern sich auch weiterhin in der Innenpolitik engagieren werde.
Besser kann man seine komplette Ignoranz nicht zeigen.
Immerhin, das muß man zugeben, hat Guido erkannt, daß seine früheren naiven Sprüchlein von der „werteorientierten Außenpolitik“, der „geistig-politischen Wende“ völliger Unfug sind.
 Daß er als Oppositionspolitiker tönte als Außenminister werde er die Entwicklungshilfe für homophobe Regime streichen, ist längst vergessen.
Seine 2009 großspurig angekündigten Pläne er werde sich international für ein atomwaffenfreies Europa und insbesondere den Abzug der Atomraketen aus Deutschland einsetzen, gerieten vollends in Vergessenheit. Zuletzt begrüßte er sogar die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland.
Tja, wie sich rausstellt, ist internationale Diplomatie doch ein bißchen anspruchsvoller, als es sich der Polit-Azubi aus Bonn-Bad Honnef vorgestellt hatte. 
Mal eben in ein paar Minuten läßt sich nichts erreichen.
Spätestens 2010 wurde allgemein anerkannt, was für eine Fehlbesetzung Westerwelle war. Er verlor seinen Vizekanzlerposten und den Parteichefsitz. (….)

Montag, 23. Januar 2017

Bombenliebe



So wie Militärs gelegentlich eine zutiefst erotische Beziehung zu ihren Panzern entwickelt, so wie Kriegsschiffe mit weiblichen Kosenamen versehen werden, so werden auch per se phallische Kriegsmaterialien wie Raketen und Bomben geradezu verehrt.
Für Phalli gilt bei Militärs das einfache Motto „the bigger, the better“.

Bei Atombomben bekommt jede einzelne einen Namen.

Die ersten Atombomben waren Fissionssprengsätze, bei denen sehr dicke schwere Atome wie hoch angereichertes Uran oder reines 239Plutonium gespalten werden. Die Sprengkraft misst man in „Kilotonnen“. Eine Kilotonne entspricht der Sprengkraft von 1000 Tonnen Trinitrotoluol, TNT.
Die Atombombe „Little Boy“ (Sprengstoff: 235Uran), die über Hiroshima abgeworfen wurde und 150.000 Menschen innerhalb weniger Tage tötete, entsprach 13 Kilotonnen TNT.
Die Atombombe „Fat Man“ (Sprengstoff: 239Plutonium), die drei Tage später über Nagasaki gezündet wurde, war mit 21 Kilotonnen TNT viel stärker, verfehlte aber den Stadtkern um mehrere Kilometer, so daß innerhalb einer Woche „nur“ 80.000 Menschen krepierten.

Die später entwickelten Kernfusionswaffen sind deutlich stärker. Bei ihnen werden die kleinen Atömchen Deuterium und Tritium zu 3Helium und schließlich zu 4He verschmolzen. Beides sind Wasserstoffisotope; daher der Name Wasserstoff- oder H-Bombe.
Das erfordert so viel Anfangsenergie, daß man erst mal eine herkömmliche Fissionsbombe zünden muß, um die H-Bombe in Gang zu setzen.
„Vanja“, aka AN602 war die dickste bisher gezündete Wasserstoffbombe. (….)

Dich Cheney, GWBs kriegsbegeisterter persönlicher Halliburton-Lobbyist, signierte im Jahr 2003 im Irak-Krieg verwendete Marschflugkörper liebevoll mit „with Love, Dick“.

Also kann auch ein subhumaner Polit-Furunkel echte Gefühle empfinden, wenn es darum geht, seine eigenen Taschen zu füllen.
Nichts ist für einen Rüstungskonzern so übel wie Frieden, in dem die teure Munition nicht verschossen wird.
So eine kleine BGM-109 Tomahawk-Rakete (Boosted Guided Missile) kostet mindestens eine Million Dollar pro Stück.
15.000 Präzisionsbomben, 8.000 ungesteuerte Sprengkörper und 800 Marschflugkörper wurden verschossen – da klingelten bei Cheneys Firma Halliburton die Kassen.
Denkt man in Geld und Macht kann man also viel Liebe empfinden.

Betrachtet man den dritten Irakkrieg allerdings auch unter moralischen und humanitären Gesichtspunkten, sind diese Bomben nicht ganz so gut.

Das nicht unter links-grün-versifften Gutmenschen-Verdacht stehende Bundeswehrjournal klärt auf.

Rund 1,3 Millionen Tote durch „Krieg gegen den Terror“
Die Gesamtzahl der Todesopfer der Kriege und Kriegshandlungen im Irak, in Afghanistan und in Pakistan wird von der Öffentlichkeit erheblich unterschätzt. Sie liegt bei weit über einer Million Toten. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die am 19. März zeitgleich in Berlin, Washington und Ottawa veröffentlicht wurde. Die deutsche, die amerikanische und die kanadische Sektion der Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (International Physicians for the Prevention of Nuclear War, IPPNW) präsentierten die erschreckenden Ergebnisse an diesem Donnerstag – zwölf Jahre nach Beginn des Irakkrieges – in den Hauptstädten ihres Landes.
Die Gesamtzahl der Opfer des „Krieges gegen den Terror“, der von Amerikas damaligem Präsidenten George W. Bush unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen worden war („Global War on Terrorism“), ist kaum jemals öffentlich diskutiert worden. Offizielle Stellen gaben und geben nur wenig Zahlenmaterial bekannt. Bislang wurden die Opferzahlen meist erheblich zu niedrig angesetzt.
Da die Todesopfer in der Vergangenheit von offizieller Seite nur unzureichend erfasst und dokumentiert worden waren, gründete sich in Großbritannien während des Irakkrieges eine zivilgesellschaftliche Initiative namens „Iraq Body Count“ (IBC). Angaben von IBC zufolge hat der Irakkrieg bis heute etwa 211.000 Menschen das Leben gekostet. IBC addiert die Zahlen von überprüften Mediendaten aus Krankenhäusern und Leichenhäusern, von Nicht-Regierungsorganisationen sowie offizielle Daten.
Erste Studien korrigierten die Opferzahlen dramatisch nach oben. [….]

In Washington rätselt man unterdessen immer noch wie es eigentlich angehen kann, daß „diese Moslems“ die Amerikaner nicht mögen.
Wie kann man sich nur anstellen?
Nur, weil durch die völkerrechtswidrigen Lügentiraden des Weißen Hauses 1,3 Millionen Menschen gekillt wurden und eine vielfache Anzahl vertrieben wurde, gibt es doch keinen Anlass die US-amerikanische Politik abzulehnen.

Natürlich wäre die Situation eine ganz andere, wenn es sich um russische Angriffe gehandelt hätte. Die wären natürlich böse gewesen; so wie es auch böse von Wladimir Putin war so intensiv gegen den Irak-Krieg zu streiten und sein Veto gegen den US-Angriff im UN-Sicherheitsrat einzulegen.

Das wissen zumindest die schlauen Jungs aus der SPRINGER-Redaktion. Genau, das sind die, welche durch die Verlagsstatuten zur Amerika-Freundlichkeit verpflichtet sind.
Julian Reichelt, der Posterboy der neuen Deutschen Kriegsfreudigkeit, stellte das schon vor Monaten in einem Grundsatzkommentar für Europas größte Zeitung richtig: Amerikanische Bomben sind gut, Russische schlecht.
Reichelt, *1980 in Hamburg, Chefredakteur von Bild.de bezeichnet Kai Diekmann als sein großes Vorbild und ist im Begriff so eine Art heterosexueller Milo Yiannopoulos zu werden.
Den Linksgrünversifften und Bahnhofsklatschern zeigt er was eine Harke ist.

Amerikanische Atomwaffen findet er klasse.

[….] Gern jammern Abrüstungs-Groupies, man könne die Welt mehrere Hundert Male mit den vorhandenen Atomwaffen zerstören. Absurde Mathematik: Denn nach dem ersten Mal wäre es eh egal. Die richtige Mathematik muss vielmehr lauten:
Lieber 8000 amerikanische Bomben als eine einzige iranische.
(Julian Reichelt, 19.02.2010)

Klar, daß Reichelt auch die totale Überwachung durch die NSA preist. Snowden dagegen verdammt er, der helfe nur den islamistischen Terroristen.

[….] Wir feiern mit den Falschen. Snowden ist auch ein Held für all jene, die in Berlin, Madrid, London Busse in die Luft sprengen wollen.
(Julian Reichelt, 08.07.2013)

Aber zurück nach Syrien und in den Irak.
Für Reichelt sind die 1,3 Millionen von amerikanischen Bomben Getöteten keine Erwähnung wert.
Aber schlimm sind die russischen Bomben.
Und noch viel schlimmer sind die Linksgrünversifften, die den Unterschied nicht erkennen wollen.

Oh doch, es gibt gute und böse Bomben!
[….] Der derzeit beliebteste und erfolgreichste Satz der staatlich russischen Propaganda lautet: „Es gibt nicht gute und böse Bomben.“
Gemeint ist damit, dass die Bomben der US-geführten Koalition auf die ISIS-Hochburg Mossul kein bisschen besser sind als die russischen Bomben, die seit Monaten auf Aleppo regnen.
Verbreitet wird der Satz nicht nur von den Propaganda-Organen Sputnik und Russia Today, sondern auch von Journalisten, die in Deutschland in unterschiedlichen Kreisen hohes Ansehen genießen: Publizist Jürgen Todenhöfer, Verlegererbe Jakob Augstein, „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart. [….] Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Satz dumm, falsch, zynisch und gefährlich ist.
[….] Als Symbol für Machtausübung gibt es selbstverständlich gute und böse Bomben, und es gab sie auch schon immer. Bomben sind deutlich besser in den Händen jener aufgehoben, die sich Wahlen stellen, Gesetze achten und von einer freien Presse kontrolliert werden (zum Beispiel Obama), als in den Händen von Despoten, die auf Kritik mit Gewalt und Unterdrückung reagieren und niemandem Rechenschaft schuldig sind (zum Beispiel Putin).
Amerikanische Nuklearwaffen waren immer schon besser als russische (oder pakistanische oder chinesische), weil sie von Politikern kontrolliert werden und wurden, die deutlich mehr Achtung für menschliches Leben und den Willen ihrer Wähler haben.
[….] Als politisches und ethisches Konzept gibt es die gerechte Bombe natürlich genauso, wie es den gerechten Krieg gibt. [….]
„Es gibt nicht gute und böse Bomben“ – das Perfide an diesem Satz ist, dass er zunächst so weise, so friedlich, so sanftmütig, so klug klingt. Er ist es nicht. Er ist radikal.
Wer ihn nachplappert, macht sich gemein mit Radikalen. [….] Es ist ein dummer Satz für Feiglinge.

Da ich nicht allzu viele Kraftausdrücke verwenden möchte, verkneife ich mir einen Kommentar und klaue die Titanic-Antwort.

Julian Reichelt, c/o Bild.de!
»O doch, es gibt gute und böse Bomben!« betitelten Sie ein Propagandastück, das selbst einem Dick Cheney ein respektvolles Schnalzen entlockt hätte und in dem Sie erläuterten, daß die Kinder, die in Syrien durch russische Bomben sterben, eben einem bösen Finsterling zum Opfer fallen, während die Kinder, die durch Bomben der amerikanischen Verbündeten sterben, sich im Grunde glücklich schätzen können, für die gute Sache zerfetzt worden zu sein. Aber trotz Ihrer brillanten Ausführungen sind wir doch noch etwas im Zweifel, ob man in diesem Zusammenhang wirklich davon sprechen kann, daß es »gute Bomben« gibt. Vielleicht denken wir aber noch mal drüber nach, wenn eine davon zur Abwechslung mal Sie erwischt.
Jenseits von Gut und Böse: Titanic

Sonntag, 22. Januar 2017

Fakten sind auch nur Meinungen



Während der Präsidentschaft Bill Clintons, die ökonomisch betrachtet zweifellos eine der Erfolgreichsten in 100 Jahren war, begannen Trump-Fan Newt, der Molch, Gingrich und die radikal nach rechts gerutschten Republikaner mit totaler Obstruktion.
Lieber sollte die ganze Nation in den Abgrund gerissen werden, als den Demokraten den geringsten Erfolg zu gönnen.
Seither ist von der großen Spaltung der Amerikaner die Rede, die jeder antretende Präsidentschaftskandidat zu überwinden verspricht.
Aus unterschiedlichen Gründen (Koch-Lobbyismus, Irakkrieg, Teaparty, Obamas Hautfarbe, etc) verschärfte sich diese Spaltung aber nur noch. Die Wortwahl ist inzwischen reiner Euphemismus. Zwischen der sogenannten „Obama-Coalition“ und den Trump-Anhängern herrscht blanker Hass.

Sie akzeptieren sich gegenseitig nicht und sind außer sich vor Wut vom anderen nicht akzeptiert zu werden.
Es gibt dabei aber natürlich einen in unzähligen Memes dargestellten Unterschied:
Republikaner hassten Obama, weil sie Rassisten sind und Demokraten verachten Trump, weil er Rassist ist.

  
Es ist unmöglich geworden sich noch zu verständigen, da man sich auf keine Gesprächsgrundlage mehr einigen kann.

Ein gutes Beispiel ist der hochemotionale Grundsatzstreit um die allgemeine Krankenversicherung, die von der GOP seit sechs Jahren als dämonisches Teufelszeug verdammt wird. Obamac-Care werde man als allererstes abschaffen schwor seither jeder Republikaner, ohne daß auch nur ansatzweise eine Alternative erdacht worden wäre.

Je nach politischer Farbe stellen sich Menschen bei Straßenumfragen entweder vehement gegen „Obama-Care“ oder gegen den „Affordable Care Act“.
Daß es sich dabei nur um zwei Namen derselben Sache handelt, scheint niemand zu wissen.


Wie aber soll ein auf Kompromiss setzendes politisches System funktionieren, wenn eine Hälfte des Volkes alles grundsätzlich ablehnt, weil es von der anderen Seite vorgeschlagen wird?

Mittlerweile bewegen sich auch in Deutschland knapp ein Viertel der Bürger ebenfalls nur noch in ihren inzestuösen Informationsblasen, die sich längst von Fakten entkoppelt haben.
Wie aber kann es eine Gesprächsgrundlage geben, wenn man sich noch nicht einmal darauf verständigen kann, was die Realität ist?
Wolfgang Schweiger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, sieht im Wochenendinterview der SZ schwarz:

SZ: […] Wie sollten Ihrer Meinung nach die klassischen Medien mit offensichtlichen Falschmeldungen umgehen, zum Beispiel mit der Breitbart-Nachricht, in Dortmund habe an Silvester ein islamistischer Mob versucht, eine Kirche abzufackeln? Ignorieren oder dementieren?

Schweiger: Der klassische Journalismus muss sich mit diesen Themen beschäftigen. Ansonsten driften die Agenden der breiten Öffentlichkeit und der rechtsalternativen Welt noch weiter auseinander.

SZ: Und wie groß ist Ihre Hoffnung, dass man in dieser verschwörungstheoretischen Welt wirklich jemanden überzeugt, dass in Dortmund kein islamistischer Mob gewütet hat?

Schweiger: Wenn ich ehrlich bin: Gering. Diese Entwicklung gefährdet meiner Meinung nach tatsächlich unsere Demokratie. Der politische Diskurs kann nur funktionieren, wenn die Bürger informiert sind. Diese Informiertheit basiert darauf, dass man halbwegs neutrale, wertungsfreie Informationen bekommt, auf deren Basis man sich seine Meinung bildet. Wer sich aber auf Facebook informiert, und das tun mittlerweile viele Menschen, findet dort in seinem Newsfeed bunt gemischt: journalistische Nachrichten und Kommentare, rechte und linke Meinungsmache, Unternehmens-PR, Markenwerbung. Zwischen diesen Angeboten und Inhalten zu unterscheiden, fällt vielen Menschen zunehmend schwer. […]
Es fehlt die verlässliche Hand, die Nachrichten verifiziert, bewertet, einordnet. Mittlerweile kann online jeder ein professionell anmutendes Informationsangebot erstellen. Und diese Produkte stehen gleichrangig mit klassischen journalistischen Texten in einem Newsfeed oder in einer Trefferliste auf Google. […]

Wie soll es in Amerika eine auf der Realität basierende Diskussionskultur geben, nachdem Donald Trump den Chef der rechtsradikalen Fakenews-Seite Breitbart erst zum Wahlkampfmanager und dann zum Chefberater des Weißen Hauses macht?

Wie soll es in Amerika eine auf der Realität basierende Diskussionskultur geben, nachdem Donald Trump eine Erziehungsministerin aussucht, die schon bei ihrer Anhörung lügt, daß sich die Balken biegen, die öffentliche Schulen generell bekämpft, die Schusswaffen an Schulen wegen der Grizzlybären-Gefahr für notwendig hält und selbst nicht einen einzigen fehlerfreien Satz fertigbringt?
Die DeVos-Familie spendete andererseits rund 200 Millionen Dollar an die Republikanische Partei. Dafür springt in der käuflichen Trump-Welt natürlich auch unabhängig von jeder Qualifikation ein Ministeramt heraus.

Ladies and gentleman, our next secretary of "education," Betsy DeVos.


Ich sehe Schwarz, und zwar dunkelschwarz, wenn ich die ersten zwei Trump-Tage betrachte.
Der Mann schert sich immer noch kein bißchen um die Realität und beurteilt die gesamte Welt extrem dünnhäutig nur danach, wer ihn bewundert und wer das blasphemischerweise verweigert.
Nach der mäßig besuchten Amtseinführung und der am nächsten Tag umso größeren Protestdemonstration ließ er seinen Sprecher Sean Spicer massiv lügen.
Es ging um das alte Penis-Problem alternder Männer.
Trump konnte es nicht ertragen, daß Obama einen größeren (Zuspruch) als er hat.
Für das Weiße Haus tritt der neue Pressesprecher an und haut in zwei Minuten gleich sieben heftige Lügen raus.

Here are 7 falsehoods and mischaracterizations from Sean Spicer’s debut.
[….] [….]

Trumps Chefberaterin nennt es „alternative Fakten“ – so ist das in Trumps Welt.
Objektivität muß endlich subjektiv bewertet werden.


Ja, CNN und viele andere factcheckten die Angaben der neuen US-Regierung. Natürlich war alles gelogen. So ist das nun mal bei Trump.


Mit dem neuen Leader of the free world gibt es nicht mehr nur Postfaktizismus, sondern neuerdings auch Alternativfaktizismus.

Zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe, die vor 6.000 Jahren von Gott kreiert wurde, ist nun also nicht nur keine Lüge mehr; ist auch nicht bloß eine „andere Theorie“, sondern ein FAKT, nämlich ein alternativer Fakt.

Willkommen in der Trump-Ära.
Jetzt gilt Lüge = Wahrheit, Krieg = Frieden.

Eins ist also schon am Tag Zwei der Trump-Präsidentschaft klar – man kann seinem Sprecher nichts glauben.


[….] Donald Trump ist ein Narzisst, das war klar. Wie kränkbar der neue US-Präsident ist, verblüfft dann aber doch. Wie sein Sprecher für ihn lügen muss, auch. Trumps erster Tag in Zitaten.

Die Betroffenen haben ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit, sie verlangen nach übermäßiger Bewunderung, sie idealisieren sich selbst und sind stark von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz oder Schönheit eingenommen.
(Aus dem "Deutschen Ärzteblatt"zum Thema "Narzisstische Persönlichkeitsstörung").

US-Präsident Donald Trump am Samstag vor CIA-Beamten:"Wir hatten ein Feld voller Leute, Sie haben es gesehen, es war vollgepackt. Dann stehe ich heute Morgen auf, und ich schalte einen Fernsehsender ein, und die zeigen - ein leeres Feld! Und ich sagte: Moment mal - ich habe eine Rede gehalten! Ich habe hinausgeblickt und da waren - es sah aus wie eine Million oder eineinhalb Millionen Menschen! Die haben ein Feld gezeigt, wo praktisch niemand stand! Und sie haben gesagt 'Donald Trump hat nicht viele Leute angezogen!'"

Sie glauben von sich, besonders und einzigartig zu sein und nur von anderen außergewöhnlichen oder angesehenen Personen oder Institutionen verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können. Darüber hinaus zeigen sie ein offensives Anspruchsdenken und erwarten, bevorzugt behandelt zu werden.

Trump: "Es hat fast geregnet, der Regen hätte die Leute abschrecken sollen, aber Gott blickte herab und sagte: 'Wir werden es doch nicht auf deine Rede regnen lassen!' Als ich anfing, dachte ich noch: 'Oh nein', bei der ersten Zeile bekam ich ein paar Tropfen ab ,und ich dachte noch 'ohh, schade, aber wir ziehen das einfach durch'. Aber in Wahrheit hat es sofort wieder aufgehört, es war fantastisch. Dann kam richtig die Sonne heraus. Und als ich abging, sofort, nachdem ich weg war, fing es an zu gießen!" [….]