Mittwoch, 17. Januar 2018

Rage of white men.



Rassistische und islamophobe Hetzer des Schlages David Berger oder Donald Trump haben es leicht.
500 Millionen Menschen leben und Europa, 330 in den USA.
Mit Kanada, Neuseeland, Australien, Russland kommt man also auf eine Referenzgröße von rund einer Milliarde weißer „Abendland“-Menschen.
Da kann man leicht aus den Newstickern regelmäßig irgendeinen Straftäter herauspicken, der dunkelhäutig und/oder muslimisch ist, um seine miese Hassbotschaft zu transportieren.

„Sehr nur her, schon wieder hat so ein minderwertiger Dunkelmensch einem von uns etwas angetan! Wir müssen uns endlich wehren und das Pack rausschmeißen/abschieben/wegsperren.“

Das ist Pauschalisierung auf unterstem Niveau. Ein Muslim ist böse, also sind alle 1,4 Milliarden Moslems böse.
Ein Muslim ist Terrorist, also sind alle Muslime Terroristen.

Pauschalisierungen aufgrund von Rasse oder Religion sind ohnehin absurd, weil der soziokulturelle Hintergrund, die Bildung und Wohlstand eher ein Indikator für Kriminalität sind.

Islamophobe Hetzer, die alle deutschen Probleme mit Kriminalität aus „den Islam“ schieben, kann man ganz leicht mit dem Gegenbeispiel Iran zu fassen bekommen.
Es gibt de facto keine Kriminalität oder Integrationsproblematik durch Iraner in Deutschland, obwohl die weitüberwiegend ebenfalls Muslime sind.
Wieso das so ist, lässt sich leicht erklären. Während in den 1960er Jahren die am schlechtesten gebildeten Türken als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, waren es im Zuge der Ayatollah-Revolution von 1979 in erster Linie Intellektuelle und Akademiker, die aus dem Iran nach Deutschland flohen.
Daher  sind typische Berufe von Deutsch-Iranern heute auch Architekt oder Chirurg.
Natürlich gibt es mit „denen“ keine Probleme, obwohl sie dem Islam angehören.

Der zweite Grund weswegen rassistische/religiöse Pauschalisierungen wohl zur Hetze, nicht aber als echte Argumente taugen, ist die nicht gewährte Repräsentativität.
Greift man sich aus einer Hetzseite wie Berger PP-Blog ausschließlich durch muslimische Asylanten begangene Straftaten heraus, entsteht schnell der Eindruck alle Straftaten würden von ihnen begangen, oder jedenfalls die große Mehrheit.

Die Statistik gibt das aber beim besten Willen nicht her.

In den US werden zehn Mal mehr Manschen versehentlich  von Kindern getötet („Toddler-Terror“), als von islamischen Terroristen.
US-Cops sind sogar 100 mal tödlicher als Islamisten.


Natürlich würden Trump und Berger so eine Tatsache nie erwähnen.
Daher werden auch Mass-Shooting mit weißen oder christlichen Tätern diskret verschwiegen, während sofort wüst losgetwittert wird, wenn der Täter dunkleren Teints ist.


US-Senator Cory Booker, ohnehin noch en brasse, weil Trumps völlig verblödete Heimatschutzministerin keine Probleme mit dem Shithole-Vokapular ihres Chefs hatte, wies heute bei Chris Cuomo auf die tödlichsten Attacken hin.

Seit dem 11.September 2001 gab es in Amerika 85 major attacks, von denen 73% von white Supremacists gegen Minderheiten durchgeführt wurden.

[….] White Men Have Committed More Mass Shootings than Any Other Group. [….] “There’s a feeling of entitlement that white men have that black men don’t," criminologist James Alan Fox told The Washington Post in 2012. "They often complain that their job was taken by blacks or Mexicans or Jews. They feel that a well-paid job is their birthright. It’s a blow to their psyche when they lose that. ... If youre a member of a group that hasnt historically experienced unemployment, theres a far greater stigma to [losing a job] than those who have." [….]

Also wenn man schon pauschalisieren will, dann sind ganz klar weiße christliche Männer die gefährlichste Gruppe in Amerika.
Statt „complete shutdown for all muslims“ sollte Trump also lieber die ganzen  white christian hategroups aus dem Land werfen, wenn er etwas gegen die Terrorgefahr unternehmen möchte.
Blöd nur, daß sich aus ihnen auch seine treueste Wählerbasis rekrutiert und er sie daher für „very fine people“ hält.

[…..]  In fact, America has been here 273 times in 2017 alone, according to the Gun Violence Archive, which compiles deaths and injuries from shooting incidents and defines a mass shooting as any incident where four or more people are wounded or killed. According to their tally, there have also been 11,698 deaths as a result of gun violence so far this year. Between 2001 and 2014, 440,095 deaths by firearms occurred on US soil, while deaths by terrorism during those years numbered 3,412. Today, America faces approximately one mass shooting per day on average.
Mass shootings are a violent epidemic that have been met with fatal passivity for far too long. If mass shootings were perpetrated mostly by brown bodies, this would quickly be reframed and reformed as an immigration issue. If thousands died at the hands of black men, it would be used to excuse police brutality, minimize the Black Lives Matter movement and exacerbate the "raging black man" stereotype. If mass shooters identified as Muslim, it would quickly become terrorism and catalyze defense and security expenditures.
But this is a white man's problem. According to an analysis by Mother Jones, out of 62 cases between 1982 and 2012 (a time period that would not include the actions of Dylann Roof or Stephen Paddock, among others), 44 of the killers were white men and only one was a woman. Since 1982, mass shootings in the United States have been committed by white men who are often labeled "lone wolves" or "psychologically impaired." As a result, the government that would otherwise be mobilizing its institutions to bring about reform remains a stalwart of the Second Amendment and mass shootings' greatest ally. An over-affinity for guns among white men, dangerous against any other backdrop, gets defended as patriotism by many conservatives or even as white pride by those on the alt-right. [….]

Dienstag, 16. Januar 2018

Beeinflussung



Erstaunlich viele Menschen sind sich ihres Geschmacks extrem unsicher.
Sie wissen eigentlich gar nicht genau was ihnen gefällt und sind zudem nicht selbstbewußt genug unabhängig von anderen ihren Vorlieben zu frönen.

Ich denke manchmal an eine Mitschülerin von mir, die in der 5. oder 6. Klasse nicht gerade beliebt war, weil sie eine Streberin war und sich bei den Lehrern einschleimte.
Zu allem Übel trug sie gern eigenartige bäuerliche Kleider und kam gelegentlich mit ihren holländischen Holzschuhen in den Unterricht.
Ein gefundenes Fressen für alle anderen, die sie dafür auslachten.
Kinder mögen keine Außenseiter und wenn diejenige sich dann auch noch so offensichtlich bekloppt anzieht, wird gemobbt, auch wenn zu meiner Zeit der Begriff „Mobbing“ noch nicht erfunden war und es nicht physisch gewalttätig zuging.
Ich mochte das Mädchen auch nicht besonders gern, aber immerhin beeindruckte es mich, daß es ihr offensichtlich egal war, daß die halbe Schule sie wegen ihrer holländischen Holzbauernschuhe auslachte. Sie fand sie toll und trug sie trotzdem.
Das war rückblickend betrachtet eine reife Leistung, die viel Rückgrat von einer 11-Jährigen erforderte.
Vielleicht konnte ich es besser als andere erkennen, weil ich – rein zufällig – von meiner leicht verrückten Mutter beeinflusst ebenfalls ermutigt wurde gegen den Strom zu schwimmen.
Es war das Alter, in dem man kontinuierlich wächst, so daß man jeden Winter neue Stiefel und Winterjacken brauchte.
Ich erinnere mich noch an die gewaltige Auswahl von Moonboots, die es damals in den Kinderabteilungen des großen Schuhgeschäfts gab. Welche nehmen?
Die Silberblauen waren vielleicht ziemlich teuer, wurden aber auch vom Klassensprecher und dem sportlichen Jungen getragen. Argumente, die ein Kind überzeugen können.
Aber immer wieder machte die Verkäuferin bei den dicken wattierten Space-Jacken und Klumpschuhen den einen Kardinalfehler, wenn sie uns zur Entscheidung drängen wollte, indem sie sagte „die werden dieses Jahr besonders gern gekauft.“
Sofort rollte meine Mutter die Augen und erklärte „also kommen die für uns nicht in Frage.“ Sie wollte nicht, daß ihre Kinder haargenau wie alle anderen Kinder angezogen sind.
Ein bißchen Ermutigung gehört dazu, wenn ein Kind selbstständig werden und seine eigene Meinung entwickeln soll.
Zum Glück; und das betrachte ich a posteriori jeden Tag als größeres Glück; konnte ich meinen Kindermodengeschmack nur auf dem Schulhof abgleichen.
Da gab es zwar die coolen Jungs mit den schicken Markenklamotten, aber durchaus auch welche, die irgendwas Selbstgemachtes anzogen, oder gar abgelegte Jacken älterer Geschwister auftrugen.
Auf Fotos von damals sehe ich durchaus optische Individualität.
Als wir Teenager waren, spalteten wir uns modemäßig in eine breite Vielfalt auf. Popper, Goths, Mods, Teds, Gruftis, Unauffällige, Anzugträger, Punks, Edelpunks und alle möglichen Zwischentöne.*

Man konnte schließlich seiner eigenen Phantasie freien Lauf lassen. Die 80er waren angebrochen; im Chemie-Kurs arbeiteten die Popperin mit ihrem Lacoste-Shirt und Baracuda-Stiefeln einträchtig mit dem Mega-Irokesentyp in zerfetzten roten Karojeans und den Sicherheitsnadeln im Gesicht zusammen.

Nach den auf FB veröffentlichten Abi-Bildern meiner ehemaligen Schule zu urteilen, ist die Zeit der Individualität endgültig vorbei. Die Klugtelefone, die jeder Schüler der heutigen Abi-Generation sein ganzen Leben bei sich trug, haben ganz offensichtlich zu einer völligen optischen Nivellierung geführt.
An der Schule gibt es jedes Jahr um die 120 Abiturienten und alle Mädchen tragen ausnahmslos die gleiche Frisur. Jennifer Aniston und alle Jungs bis auf zwei tragen Anzug und Krawatte. Und selbstverständlich tragen sie alle einen drei- bis sieben-Tage Bart. Kein einziger traut sich irgendeine andere (Bart)-Haartracht zu.
Klar, wenn man seine Kindheit mit Mode-Tutorials von sogenannten Influencern verbringt und sich buchstäblich mit allen Teenagern auf der Welt abgleicht, erhält man den perfekten Einheitsschüler.

Ein Phänomen, das ich inzwischen auch bei den Teilnehmern von Trash-Shows beobachtet habe, sofern in Tageszeitungen auf der „Buntes“-Seite abgebildet wird, wer bei „Love-Island“ oder „Bachelor“ mitmacht.
Alle Frauen blondiert, Extensions, aufgespritzte Lippen und mindestens zwei Pfund Silikon in jeder Brust.
Alle Männer braungebrannt, Muskeln, Tattoos, Uppercut, 7-Tage-Bart.

Ich kann nicht daran glauben, daß wirklich 100 von 100 Männern /-Tage-Bart am Schönsten finden. Offensichtlich spielt Mode eine große Rolle. So wird es in den sozialen Medien suggeriert, so sehen alle Erfolgreichen jetzt aus.
Es traut sich einfach niemand mehr ein nacktes Kinn zu zeigen.

Die Menschen stehen nicht mehr zu ihren eigenen Vorlieben und/oder sie entwickeln sie gar nicht erst, weil ihnen sekündlich auf dem Klugtelefon präsentiert wird, wie man auszusehen hat.

Man folgt der Mode, weil viele der Mode folgen. Es wird Mode was die Masse möchte.
Geschmack wird durch die sozialen Medien zu einer Art Herdentrieb reduziert.

Einen in diese Richtung gehenden Effekt gibt es auch in der Parteipolitik durch die unablässig veröffentlichten Umfragen. Täglich bekommen wir eine Wasserstandsmeldung.
INSA sagt am 16.01.2018, die SPD läge nur noch bei 18,5% und schon greifen alle Journalisten (trotz der fragwürdigen Insa-Seriosität) den Spin auf, die SPD wäre nicht in Mode.

Der Spin, mit dem über Parteien berichtet wird, spielt eine große Rolle.
Hat sie FDP gute Zahlen, berichten auch die Journalisten mit positivem Unterton über Lindner.
So kommen die tatsächlich guten Wahlergebnisse in NRW und im Bund zustande.
Wähler wählen gerne die Partei, von der sie einen Sieg erwarten.
Die Partei, die in Mode ist und mutmaßlich zulegen wird.
Man will nicht zu der Loser-Truppe gehören.
Wahlforscher können messen wie sich unentschlossene Wähler noch im letzten Moment für die Partei entscheiden, die mit größter Wahrscheinlichkeit gewinnen wird.
Wahlkämpfer wissen dies und verbreiten daher nur zu gern für sie positive Umfragen, verschweigen die Schlechten.
Dabei könnte aus rational-taktischen Überlegungen auch gerade ein schlechter Umfragewert dazu führen diese Partei zu wählen.
Aber wer wählt schon rational? Bei der Bundestagswahl zählt Bauch und nicht Kopf.

Vor dem 24.09.2017  war eine Jamaika-Koalition extrem unpopulär, lag weit abgeschlagen hinter Groko und Schwarzgelb.
Als es wenige Tage später so aussah, als ob es nur zu Schwarzgelbgrün kommen könne und entsprechende Verhandlungen aufgenommen wurden, maßen Infratest-Dimap und Forschungsgruppe Wahlen einen enormen Boost. Plötzlich befürwortete auch eine Mehrheit der Bundesbürger Jamaika.
Klar, man nahm an, das werde kommen und wieder wollten alle zu den Gewinnern gehören.
Die GroKo war unten durch.
Es überraschte, als der eitle Lindner am 20.November 2017 Jamaika platzen ließ.
Der Urnenpöbel mußte neu eingegroovt werden. Im Dezember schien die Groko als einzig mögliche Alternative – und oh Wunder, am 15.12.2017 registrierte Infratest Dimap 61% Zustimmung aller Bundesbürger zur Groko und sogar 68% Zustimmung der SPD-Wähler zur Groko.


Es erfordert einige taktische Virtuosität, um auf den parteipolitischen Vorlieben der Bundesbürger zu surfen, weil diese so volatil sind.

Flankiert von seiner geistig verblüffend schlichten Kacke-Bätschi-Fresse-Generalsekretärin, die mit ihrem „BÄTSCHI DAS WIRD GANZ SCHÖN TEUER- BÄTSCHI“-Gebrabbel ihrer Partei suggeriert hatte, man können bei der Union nun so ziemlich alles rausholen, was man wünsche, haben sie es geschafft das Blatt in nur 14 Tagen zu wenden.

Nun mag nur noch eine Minderheit die Groko. 52% der Befragten finden die Groko schlecht oder weniger gut.

Die Genossen haben wieder den Trend verpasst, verrennen sich in eine Sache, die gerade extrem unmodisch geworden ist.
Keine gute Idee im Jahr 2018, wenn so wenige Menschen selbst denken.




Zwei Wochen später, am 16.01.2018 ist Schulz‘ Trotteligkeit und Führungsunfähigkeit voll durchgeschlagen.
Martin und Andrea haben sich nicht nur bei den Sondierungen übertölpeln lassen, sondern waren auch noch völlig unfähig für sich selbst und ihre Ziele zu werben.
Sie haben nun die demoskopische Arschkarte.

[….] Laut einer repräsentativen Umfrage sehen die Bundesbürger die Unionsparteien mit Blick auf die Sondierungsergebnisse klar im Vorteil: Die Hälfte der Wahlberechtigten (55 Prozent) ist der Ansicht, dass sich CDU (38 Prozent) und CSU (17 Prozent) bei den Sondierungen am meisten durchgesetzt haben, 15 Prozent sehen alles in allem die SPD im Vorteil. Die SPD-Anhänger selbst machen den Verhandlungserfolg ebenfalls eher auf  Seiten von CDU und CSU (53 Prozent) aus. Nur jeder fünfte SPD-Anhänger (19 Prozent) vertritt die Meinung, die eigene Partei habe sich in den Sondierungsgesprächen am stärksten durchgesetzt.
 Von den drei Verhandlungsführern bei den Sondierungsgesprächen - Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz - hinterlässt die CDU-Vorsitzende mit Abstand das beste Bild bei den Wahlberechtigten: Merkel wird von den Bundesbürgern jeweils mehrheitlich sowohl Führungsstärke (77 Prozent) als auch Glaubwürdigkeit attestiert (59 Prozent). Zugleich bestehen bei zwei Dritteln der Bundesbürger (67 Prozent) kaum Zweifel, dass die CDU-Vorsitzende ihre eigene Partei momentan hinter sich hat.
Die parteiinterne Kritik in Teilen der SPD an den Sondierungsergebnissen schlägt in der Wahrnehmung des SPD-Bundesvorsitzenden dagegen deutlich negativ zu Buche: Schulz gilt derzeit nur bei drei von zehn Wahlberechtigten (28 Prozent) als führungsstark. Bei lediglich einem Drittel (34 Prozent) besteht zudem der Eindruck, der SPD-Bundesvorsitzende habe seine Partei hinter sich. Glaubwürdigkeit bescheinigen ihm 41 Prozent der Bundesbürger, 52 Prozent dagegen nicht. [….]

Gute Nacht, Martin Schulz.
Nun ist nach 12 Jahren im Amt die Kanzlerin wieder in Mode.
Schulz ist out. Und wer will schon eine Partei wählen, deren Chef so offensichtlich out of fashion ist?
Erstaunliches Missmanagement von Schulz, denn in der Umfrage bescheinigt eine Mehrheit der Deutschen der SPD aus staatspolitischer Verantwortung zu handeln.
Der größte Brocken, also den Wählern den Weg vom kategorischen Nein zur Groko zum kategorischen Ja zur Groko zu erklären, ist aus dem Weg geräumt.
Eine Groko könnte also auch demoskopisch für die SPD funktionieren.
Wenn die Führung nur nicht so dämlich wäre.



*Ich fand Gruftis am Tollsten, färbte meine Haare erst bunt und dann blauschwarz, kaufte jede Menge Haarspray. Schminke und Schmuck hingegen lehnte ich ab. Das war vermutlich zu extrem für mich. Bei der Linie blieb ich und fühle mich heute als Deutschlands letzter Mann, der ohne Tattoo, ohne Piercing, ohne Ohrring, ohne Armband rumläuft.

Montag, 15. Januar 2018

Der Lacher des Tages



Sorry, heute habe ich keine Zeit, daher nur ein kurzes Gelächter.

Länder mit überwiegend schwarzen Bevölkerungen als „Shitholes“ zu bezeichnen, ist selbstverständlich klarer Rassismus.


Niemand verwundert es, weil Trump seit Jahrzehnten rassistisch agiert und insbesondere im Wahlkampf immer wieder so rassistische Aussagen von sich gab, daß sogar der Oberrepubikaner Paul Ryan erklärte, Trumps Bemerkungen wären der Inbegriff von Rassismus.


[….] House Speaker Paul Ryan ripped Donald Trump's recent remarks saying a judge presiding over a lawsuit involving his business was biased because of his Mexican heritage as "the textbook definition of a racist comment." [….]

Unter anderem 54 afrikanischen Staaten, aber auch die UN verurteilen Trump einhellig.

[….] The UN human rights office says Trump’s reported use of an expletive to describe Africa and other countries could “potentially damage and disrupt the lives of many people.”
Repeating the term attributed to Trump a day earlier, spokesperson Rupert Colville says that “you cannot dismiss entire countries and continents as ‘s---holes’.”
Colville said Friday that the comments, if confirmed, were “shocking and shameful” and “I’m sorry, but there’s no other word one can use but racist.” [….]

Dazu sagt Trump am Sonntag in Florida ungeniert:

“No, no, I’m not a racist. I am the least racist person you have ever interviewed. That I can tell you.”


Und kein Republikaner unternimmt etwas. Sie lassen ihn gewähren. Sie akzeptieren, daß Amerikas Ansehen im Rest der Welt ins Bodenlose fällt.
Sie akzeptieren, daß Nazis mit antisemitischen Parolen durch die Straßen ziehen und weite Teile der Bevölkerung von der eigenen Regierung niedergemacht werden.

In einer Beziehung ist Trump wirklich wie Hitler.
Nachfolgende Generationen werden sich nicht damit beschäftigen, ob Hitler ein guter oder ein schlechter Mann war.
Das Urteil ist eindeutig, die katastrophalen Folgen sind unübersehbar.
Das große Thema der Historiker wird die Frage wie es dazu kommen konnte, sein.
Wieso wurde er nicht gestoppt? Wieso haben alle Wahlmänner ihn gewählt, obwohl er drei Millionen Stimmen hinter Hillary Clinton lag und als Serienlügner und Rassist überführt war?
Wieso hielt fast die gesamte Republikanische Partei zu ihm?
Wieso griff weder das House noch der Senat ein?
Wieso ließ das US-Kabinett ihn gewähren?

Sonntag, 14. Januar 2018

Letzter Ausweg Kopf ab



Daß heute alle halbwegs Linken in Deutschland wutentbrannt den Stinkefinger gen SPD recken, ist angesichts der lausigen Ergebnisse der Sondierungen wenig verwunderlich.
Die Sozi-Führungscrew gibt sich in gewohnter Weise auch Mühe das Loch, in dem sie sitzt noch tiefer zu graben.
Jammer-Martin ist, wie ebenfalls üblich, untergetaucht und hinter seinem Rücken nölen nach dem legendären 24-h-Sondierungsmarathon schon wieder die Hälfte der Präsidialen rum. Man solle noch etwas nachverhandeln; das was Nahles und Schulz gerade erst präsentierten, reiche nicht.
Die Hessen, NRWler, MeckPommer und Stegner-Leute haben noch Extrawünsche.

[….] Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht eine erneute Große Koalition mit der Union „sehr kritisch“. Müller, Mitglied im Bundespräsidium der Partei und amtierender Bundesratspräsident, sagte im Interview mit dem Tagesspiegel: „Es gab ein klares Wählervotum, beiden Koalitionspartnern gegenüber. Dieselbe Koalition mit derselben Politik ist darauf keine adäquate Antwort. Eine Fortführung ohne entscheidende Veränderungen überzeugt mich deshalb noch nicht.“
Er sehe in dem Sondierungspapier zwar „gute Ansätze“ in der Bildungspolitik und für bessere Arbeit und Ausbildung. Aber: „Bei Wohnen, Zuwanderung und Integration geht es so nicht“, sagte Müller. „Die Bürgerversicherung fehlt ganz. Viel zu tun also.“ […..]

Über die Unfähigkeit des Willy-Brandt-Hauses kann ich nur staunen.
Dabei fanden die Sondierungsverhandlungen mit CDU und CSU sogar im WB-Haus statt und dennoch waren die Loser um Generalsekretär Klingbeil offensichtlich nicht in der Lage die SPD-Präsiden zu unterrichten und auch nur einen Tag bei der Stange zu halten.

Selbst das, was die Zeitungen allgemein der SPD auf die Habenseite schreiben, ist schlecht.

„In zwei Schritten sollen die Zuschüsse für Familien mit Kindern um insgesamt 25 Euro erhöht werden.“

Wieder das alte Gießkannenprinzip, mit dem Kindergeld nicht zweckgebunden auch an die Steinreichsten, die es gar nicht brauchen ausgeschüttet wird.
Dabei ist Deutschland schon das Land, das zwar am meisten „für Familien“ ausgibt und dennoch das familienunfreundlichste Land der EU ist, weil das Geld nicht dort ankommt wo es gebraucht wird, oder weil man diametral entgegengesetzte Zwecke (zB KITA und Herdprämie) gleichzeitig finanziert.
Die SPD schreiben sich nun eine teure soziale Wohltat auf die Fahnen, mit der aber eben nicht vergammelten Grundschulen und vergessenen sozialen Brennpunkten geholfen wird, sondern von der auch Millionäre und Milliardäre profitieren.

Unverständlich auch wieso man unbedingt an die unsäglichen Vorgänge in West-Ungarn anknüpfen will.

[….] Der österreichische Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) will Asylbewerber künftig "konzentriert" in "Grundversorgungszentren" unterbringen. Kickls Wortwahl während einer Pressekonferenz in Wien führte zu Nachfragen von Journalisten, die auf den Anklang an NS-Konzentrationslager hinwiesen. [….]

Schulz segnete nun offenbar ebenfalls den CSU-Kurs ab, also jener Partei, die noch letzte Woche demonstrativ den radikal xenophoben und antisemitischen Viktor Orban als Ehrengast geladen hatte.

[….] Flüchtlinge sollen künftig zunächst in zentralen „Aufnahme-, Entscheidungs- und Rückführungseinrichtungen“ – ANkER genannt – untergebracht werden, in denen Residenzpflicht herrscht und das Sachleistungsprinzip gilt. Nur diejenigen, bei denen eine „positive Bleibeprognose“ besteht, sollen von dort heraus anschließend noch auf die Kommunen verteilt werden. Alle anderen sollen in diesen neuen Lagern bleiben bis sie „in ihre Heimatländer zurückgeführt werden“. Zudem wollen Union und SPD deutlich mehr Staaten als bisher zu sicheren Herkunftsländern erklären: Algerien, Marokko und Tunesien „sowie weitere Staaten mit einer regelmäßigen Anerkennungsquote unter 5 Prozent“. Zudem soll Frontex, die europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, zu einer „echten Grenzschutzpolizei“ weiterentwickelt werden. [….]

Ich schäme mich in Grund und Boden für eine SPD, die sowas mitmacht.

Aber was sollte denn die Alternative sein?
Würde die SPD sich verweigern, könnte Angela Merkel im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit zur Bundeskanzlerin gewählt werden.
Dann gäbe es im Kabinett nur CDU- und CSU-Minister.
Keinen Maas, keine SPD-Sozialministerin, keinen Sozi-Außenminister, die im Kabinett das Schlimmste verhindern können.

Die Rahmenbedingungen sind nun einmal furchtbar.
Die SPD ist in riesengroßer Not, weil sie eine staatspolitische Verantwortung trägt und im Zeitalter von Trump, Mega-Migrationskrisen und Ländern wie Tschechien/Ungarn/Polen, die an der EU nagen, nicht zulassen kann, daß Deutschland weiterhin auf internationaler Bühne komplett ausfällt und Macron nicht unterstützt wird.

Außerdem haben die SPD-Wähler, immerhin 9,5 Millionen Menschen, nicht die SPD gewählt, damit sie NICHTS aus ihrem Programm umsetzt, sondern daß sie alles tut, um möglichst viele Inhalte in echte Politik zu verwandeln.
Ohne SPD gibt es 0% Sozi-Politik, in einer Groko wenigstens ein bißchen.

Und schließlich ist die SPD auch in NOT, weil der Bundespräsident sie verdonnert hat zu regieren.
Es stimmt, was er sagte: Man kann sich nicht erst mit großem Aufwand um Mandate bewerben und wenn es konkret wird „lieber doch nicht“ jammern.

Es gibt zur Groko zwei sehr viel schlechtere Alternativen:
Minderheitsregierung mit ausschließlich rechten Ministern Spahn, Dobrindt, de Maizière, Christian Schmidt oder Neuwahlen, bei denen die SPD vermutlich verlieren und die AfD gewinnen würde.

Also Groko.
In diesem Fall sollte die SPD besonders geschickt und hartnäckig verhandeln.
Leider geht das nicht mit dem derzeitigen Personal, weil Nahles und Schulz – machen wir uns nichts vor – dazu nicht die Fähigkeit und Intelligenz mitbringen.
Wir haben nun mal gerade keinen Helmut Schmidt, der solche Verhandlungen dominieren könnte und auch keinen Willy Brandt, der das Vertrauen der Wähler und Mitglieder genösse.

Wir haben nur dieses Personal. Nahles sieht sich sogar langfristig am Ruder, will 2021 oder 2025 selbst Kanzlerkandidatin werden. Das wäre der absolute SPD-Tiefpunkt.

Einen kleinen winzigen Silberstreif sehe ich am Horizont:
Der Sonderparteitag am 21.01.2018 könnte komplett aus dem Ruder laufen, Nahles und Schulz würden so heftig abgestraft, daß sie sich frustriert wie Oskar 1999 aus der Politik zurückziehen.
So ein Parteitag ist schwer zu berechnen. 1995 lief alles anders als geplant. Der zur Wiederwahl stehende Vorsitzende Scharping wurde mal eben einen Kopf kürzer gemacht.
Inzwischen sind die Parteitage größer und noch schwerer zu kontrollieren.

[….] Hinzu kommt ein Umstand, über den SPD-Landesvorsitzende bereits seit einiger Zeit klagen. Unter dem Parteivorsitzenden Gabriel wurde die Zahl der Delegierten für Bundesparteitage deutlich auf 600 erhöht - um, so die Begründung, mehr von den sogenannten einfachen Mitgliedern zu beteiligen. Seither ist allerdings auf Parteitagen immer wieder zu hören, man kenne die eigenen Delegationen nicht mehr oder jedenfalls nicht komplett. Verglichen mit früheren Zeiten, als die Landesverbände meist geschlossen abstimmten, sind die Parteitage weniger berechenbar.
Selbst wenn sich also die Landeschefs von NRW und Niedersachsen für Verhandlungen über eine große Koalition aussprechen, heißt das noch nicht, dass alle Stimmen aus diesen Blöcken sicher sind. Ironischerweise trägt also eine Organisationsreform des ehemaligen Parteichefs und Groko-Befürworters Gabriel dazu bei, dass sein Nachfolger Schulz um die Zustimmung zu Groko-Verhandlungen bangen muss.
Gabriel kritisierte den anstehenden Parteitag am Wochenende als "Misstrauen gegenüber der eigenen Basis" […]
Jetzt Schulz abzusägen wäre so eine Art Selbstmord aus Angst vor dem Tod.
Aber man kann es ja mal weiterspinnen.
Es müßte Tabula Rasa in Vorstand und Präsidium geben, die Hälfte der alten Säcke sollte nicht mehr kandidieren. Die ganz Jungen müßten aufrücken und sich um den neuen Parteichef Heiko Maas versammeln.
Dieser würde CDU und CSU aufgrund der außergewöhnlichen Umstände um neue Sondierungen bitten.
In erheblich kleinerer Runde als zuletzt könnte er Merkel vielleicht etwas wirklich Neues abverhandeln.