Montag, 21. Mai 2018

Keine Kirchenkritik, nirgends.


Das ist auch nicht ganz einfach, sich zu beherrschen keine billigen Namensverballhornungen zu machen, wenn man eine WDR-Dokumentation über die katholische Kirche scharf kritisieren will und der Produzent, ein ehemaliger Stipendiat vom katholischen Cusanuswerk, Dr. Stefan Pannen heißt.

[….] Die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland im Rahmen staatlicher Begabtenförderung. [….] Die Geförderten sollen befähigt werden, ihre Talente und ihr Gestaltungsvermögen in christlicher Verantwortung dort einzubringen, wo die Zukunft des Gemeinwesens entschieden wird: in Staat, Gesellschaft und Familie, Wissenschaft und Kirche, Wirtschaft, Kultur und Medien.
Wir wählen Studierende und Promovierende aus, die ihren christlichen Glauben leben, in ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl handeln und hervorragende akademische Leistungen erwarten lassen. [….] Das Cusanuswerk versteht sich als Ort der Kirche. Es ist sich der Bedeutung des christlichen Glaubens für das  Gelingen einer freiheitlichen Gesellschaft bewusst und betont den wechselseitigen Bezug von Wissenschaft und Glauben. Die Geförderten des Cusanuswerks wollen in christlichem Verantwortungsbewusstsein der Kirche  und der Welt dienen. […..]

Für den äußerst kirchenfreundlichen WDR eine Ehrensache einen Cusanuswerker zu engagieren, wenn er eine kritische (das war Ironie!) Dokumentation über die katholische Kirche in Auftrag gibt.

Ich kenne es gar nicht anders. Kaum ein deutsches Medienhaus, das es wagt die Kirche mit einem Atheisten oder gar Kirchenkritiker zu belästigen. Die Kirche wird stets in Watte gepackt.
Nur fromme Journalisten dürfen über die Frommen im öffentlichen Auftrag sprechen.

Das ist einer der von mir immer wieder beklagten Presse-Missstände.
Alle Kirchenthemen werden von frommen Gläubigen behandelt.
Dafür hat Springer Badde und Englisch, der Tagesspiegel die unvermeidliche Claudia Keller, die Zeit Frau Finger und die SZ eben Matthias Drobinski.
(……) Man stelle sich vor über die CDU würden nur noch CDU-Mitglieder schreiben. Oder nur noch Soldaten über die Bundeswehr. 

Geht es um die Grundfrage des Christentums in Deutschland – was geht da eigentlich so sagenhaft schief, daß jedes Jahr Hunderttausende aus der Religionsgemeinschaft flüchten, während aus anderen Kontinenten ein reger Zulauf herrscht – wird es bei den großen Zeitungen ganz gediegen.

Der WDR bezahlt mit den von der Majorität der kirchenfernen Gebührenzahlern finanzierten Mitteln ein ganzes Imperium aus Kirchenbauchpinselungen.
Jeden Tag gibt es ein halbes Dutzend Christen-Werbesendungen unter der Rubrik „Kirche im WDR.“

So erfuhr ich vor einigen Wochen ebenfalls im WDR in einer herzzerreißenden Langzeitreportage von Nikolas Jenke, der so VERLIEBT IN GOTT ist, daß er im Duisburger Priesterseminar hockt. 45 Minuten bejubelte der WDR den jungen Pykniker, der sein Leben einer misogynen Kinderfickersekte widmet.

Herr Pannen sollte hingegen eine dezidiert kritische Reportage machen.
Es ging um die allseits bekannte Tatsache der Gemeindeschrumpfungen, des dramatisch zurückgehenden Priesternachwuchses und den sich daraus ergebenden Friktionen zwischen frommer Basis und Kirchenfürsten, die nicht mehr jeder Gemeinde ihren eigenen Pfaff stellen können.

[……] Die katholische Kirche ist in der Krise. Mangels Nachwuchs sind inzwischen viele Priesterseminare geschlossen, Pfarrgemeinden wurden drastisch zusammengelegt, was die verbliebenen Gläubigen auf die Barrikaden bringt. Ist die Kirche in Deutschland am Ende? Kann die Kirche ohne Priester überhaupt noch funktionieren?
Die Dokumentation erkundet zudem, wo die katholische Kirche ohne Priester neue Wege erfindet: an sozialen Brennpunkten wie in Frankfurt-Höchst, wo sie sich aus dem Gotteshaus hinaus zu den Menschen begibt, im Kampf von Gemeindemitgliedern in der Eifel um den Erhalt ihrer Pfarreien, in der Schweiz, wo Frauen am Altar stehen dürfen und im Amazonasgebiet, in dem mit dem Segen aus Rom künftig verheiratete Männer die Gottesdienste leiten sollen. [….]

Zwei mögliche Ursachen der sterbenden Priesterseminare konnten ausgemacht werden: Der Zölibat und das Verbot des Frauenpriestertums.
Daran orientierte sich die 45-minütige Pannen-Reportage.


Die möglichen Auswege aus der Krise sind laut dieser Reportage Importpriester aus Afrika und Asien, Aufweichung des Zölibat, Wortgottesdienst, möglicherweise Zulassung der Eucharistie für besonders fromme und lange engagierte katholische Laien, sowie zusätzliche Verantwortung für engagierte Frauen in der Kirche.
Alle genannten Argumente kann ich schon seit Jahren singen. Gemeindezusammenlegungen und Kirchenschließungen aus Priestermangel sind seit Jahren ein präsentes Thema.

Schon zu Kreuznets Zeiten wurde den Pannen-artig Argumentierenden entgegen geworfen, daß die Evangelen bekanntlich keinen Zölibat verlangen, sogar Weibsbildern zu Bischöfen machen und dennoch mehr Mitglieder verlieren als die Katholiken.

Man kann das nicht ganz von der Hand weisen.
Wieso gab es vor hundert Jahren und auch noch vor 50 Jahren trotz Zölibats und ohne Frauenpriestertum noch reichlich Priesternachwuchs und heute nicht mehr?
Hatten die Männer im Jahr 1918 keinen Geschlechtstrieb, fiel ihnen der Zölibat so viel leichter?

Natürlich nicht. Es spielen andere Faktoren eine Rolle:

1.) Schwulenemanzipation.

Vor 100 Jahren konnte kein bayerischer männlicher Teenager feststellen Jungs zu lieben, dazu stehen und einen normalen Lebensweg gehen. Er mußte das verheimlichen, da anderenfalls Zuchthaus drohte. Aber je älter er wurde, desto eigenartiger wurde es, daß er nicht verheiratet ist, sich nichts aus Frauen macht, Es würde getuschelt werden.
Die einzige Möglichkeit für Schwule all diesen Fragen aus dem Weg zu gehen, war das Priesterseminar. Hier würde er Gleichgesinnte treffen und niemand fragte mehr, wieso er kein Eheweib nehme.
Das dieser Notausstieg Priesterseminar wegfällt, weil inzwischen auch Jungschwule im kleinsten katholischen Dorf Internet haben, sich outen und ein glückliches Leben führen können, ist ganz schlecht für die Regens.

2.) Sozialstaat

Vor 100 Jahren gaben viele elterliche Betriebe und Bauernhöfe nicht genug her, um alle Söhne – von denen man mangels Verhütungsmethoden reichlich hatte – zu ernähren. Da war es eine notwendige pekuniäre Entscheidung das jüngste Balg ins Priesterseminar zu schieben.
Heute hingegen ist es (theoretisch) möglich alle Kinder auf Staatskosten studieren zu lassen was sie wollen. Sie müssen dazu nicht Geistlicher werden.

3.) Bildung

Je doofer, desto gläubiger. Vor hundert Jahren waren die Menschengottesfürchtiger, weil sie es nicht besser wußten. Die meisten besaßen Volksschulbildung und nicht mehr.
Mit der freien Verfügbarkeit von Bildungsinhalten und der immer weniger stattfindenden Sanktionierung von Fragen, kann man kirchliche Lehren hinterfragen und zu dem Schluss kommen, daß das großer Mist ist.

All diese Zusammenhänge erwähnte Cusanuswerker Dr. Stefan Pannen natürlich nicht in seiner dreiviertelstündigen Reportage.

Es wurde gar nicht erst versucht einen objektiven journalistischen Blick auf das Problem zu werfen, sondern voller Sympathie für die Kirche rein subjektiv geschildert wie sehr man sich an der Basis bemüht.
Die fromme Kirchenfreundin Christiane Florin (Rheinischer Merkur/Christ und Welt/Redaktion „Religion und Gesellschaft“ beim DLF) wurde als Hauptexpertin für die Nachwuchsprobleme instrumentalisiert.

Es wurden nur kirchliche Menschen um Meinungen gefragt und der Gedanke, daß es positiv oder richtig sein könnte, wenn die Kirchen Einfluss und Gemeinden verlieren, war so absurd, daß er noch nicht mal gestreift wurde.
Durch jeden Satz zogen sich wieder einmal die Grundgedanken:

KIRCHE IST GUT
KIRCHE MUSS ERHALTEN WERDEN
WENIGER PFARRER SIND EIN VERLUST
JEDER HAT INTERESSE DARAN DIE KIRCHE ZU STÄRKEN
KIRCHE MUSS ERHALTEN BLEIBEN
KIRCHE SOLL WIEDER STÄRKER WERDEN

Selbstverständlich kam kein einziger Kirchenkritiker zu Wort.

Dabei brachte die Pannenreportage Erstaunliches fertig.
Obwohl ausführlich der Limburger Bischof Georg Bätzing interviewt wurde und Limburger Gemeindezusammenlegungen thematisiert wurden, kam nicht mit einer Millisekunde das Gespräch auf seinen Vorgänger Tebartz-van-Elst und die ungeheuerlichen Finanzskandale, die so viele Menschen in dem Bistum aus der Kirche trieben.

Lieber Herr Pannen, liebe Frau Florin, die Bischöfe müßten nicht die Anzahl der Gemeinden radikal zusammenstreichen, wenn es genügend Gemeindemitglieder gäbe.
Die gibt es aber nicht, weil die Gläubigen massenhaft austreten und wir Konfessionslosen nun die relative Mehrheit der Deutschen stellen.

Auch das wurde in 45 Minuten mit keiner Silbe erwähnt.

Kirchen werden leerer, weil sie unattraktiv und überflüssig sind in einer sozialen gebildeten Gesellschaft.
Die Menschen sind gebildet genug, um sich von der RKK abgestoßen zu fühlen.
Der Organisation, die Frauen noch nicht mal zu den minderen geistlichen Ämtern zulässt, die gegen Gleichberechtigung Homosexueller kämpft, die dreistelligen Milliardensummen hortet, auf ein diskriminierendes „Juden unerwünscht“-Arbeitsrecht besteht, geschiedene Kindergärtnerinnen entlässt, sich raffgierig vom Staat unterhalten lässt, mit den rechtesten Parteien und faschistoiden Regierungen harmoniert und sich bis heute nicht dazu durchringen kann ihre kinderfickenden Priester rauszuwerfen und etwas dagegen zu unternehmen, daß die Priesterseminare gezielt sexuell verklemmte Merkwürden anziehen.
Natürlich wurde in „Kirche ohne Priester“ auch das Wort „Missbrauchsskandal“ oder Pädophilie“ nicht ein einziges Mal erwähnt.
I’ve got news for you: Viele Menschen mögen es nun einmal nicht, wenn eine Organisation sich systematisch für Kinderficker einsetzt.

Sonntag, 20. Mai 2018

Meine tiefschwarze Seele.


Zur heutigen Ausgießung des Heigei habe ich meiner fröhlich-lockeren Stimmung entsprechend ein bißchen darüber gelesen, wie fürchterlich die Menschen sind und wie man es anstellen könnte die elende Homo-Sapiens-Infektion dieses Planeten zu stoppen.
Ich bin erstaunt wie doof ich bin; ausgerechnet ich, als weltgrößter Misanthrop, der seit Jahrzehnten gerne Emile M. Cioran liest, kannte die Begriffe „Antinataslismus“ und „Efilismus“ nicht.


Auch mein Jahrgangsgenosse Théophile de Giraud war bisher an mir vorbeigegangen.
Shame on me.

Also der Reihe nach:

1.)

Der große rumänisch-französische Philosoph Cioran (* 8. April 1911 in Rășinari in Siebenbürgen, Österreich-Ungarn; † 20. Juni 1995 in Paris), Sohn eines orthodoxen Priesters im multiethnischen Transsilvanien, ist Schüler Arthur Schopenhausers und wurde nach dem zweiten Weltkrieg zu einem radikaleren und pessimistischeren Nietzsche. Pessimistisch und zynisch schrieb er schon mit 20 Jahren in „Auf den Gipfeln der Verzweiflung“:

    „Ich weiß überhaupt nicht, weshalb wir hienieden etwas tun, warum wir Freude und Bestrebungen, Hoffnungen und Träume haben müssen. […] Aber was gibt es in dieser Welt schon zu gewinnen? […] Es gibt keinerlei Argumente für das Leben.“

Auf den Gipfeln der Verzweiflung, Das Buch der Täuschungen und Die Lehre vom Zerfall sind seine bedeutendsten Werke; am bekanntesten dürfte sein Spätwerk Vom Nachteil, geboren zu sein: Gedanken und Aphorismen von 1979 sein.

Cioran, aus Vom Nachteil, geboren zu sein

 2.)

Die Philosophie des Antinatalismus betrachtet das Bevölkerungswachstum außerordentlich skeptisch und spricht sich stark für Geburtenkontrolle aus.
Der Begriff geht auch auf Arthur Schopenhauer zurück und stammt vom lateinischen natalis, „zur Geburt gehörig“, ab.

3.)

Der Begriff des Efilismus entstand aus der Umkehrung von "life“ in "efil".
Elifisten sind deutlich radikaler als Antinatalisten. Darüber weiß ich fast nichts. Offenbar ist das Wort “efilism” in Amerika gebräuchlicher. Dazu ergoogele ich:

 Life always involves suffering, in obvious and subtle forms. Even when things seem good, we always feel an undercurrent of anxiety and uncertainty inside.

Depressions-Verstärker
 Mutmaßlich handelt es sich dabei um eine promortalistische Strömung, die auch aktiv gegen lebende Menschen denkt, während Antinatalisten nichts gegen bereits geborene Menschen haben (die können ja nichts dafür), sondern in der zukünftigen Kinderlosigkeit die Lösung globaler Probleme sehen.
Das unterstützte zum Beispiel auch Helmut Schmidt, der in seinen letzten drei Lebensjahrzehnten unermüdlich die Planetare Überbevölkerung als größtes Menschheitsproblem brandmarkte.
Im Zusammenhang mit den von Deutschland nicht erreichten „Klimazielen“ tauchte kürzlich eine Gespensterdiskussion auf, als Klimaforscher die unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung zur Reduzierung von CO2 kritisierten. Der katastrophalste CO2-Abdruck sei ein in den Industrienationen geborenes Kind.
Das stimmt zwar zweifellos, wurde aber sofort von allen erdenklichen Hohlköpfen professionell missverstanden und als Angriff auf ihre Kinder angesehen.

4.)

Der Belgier Théophile de Giraud ist offizieller Vertreter des Voluntary Human Extinction Movement, einer 1992 in den USA gegründeten Bewegung, die dem Antinatalismus einen Überbau gibt für den französischsprachigen Raum Europas. Der Dandy-Punk, Goth, Schriftsteller, Performance-Künstler und Philosoph tritt europaweit auf, um den Planeten zu retten.


Ein sehr höflicher Mensch, der sehr bestimmt auftritt, aber natürlich fast nie ernst genommen wird.
Wie sollte das auch gehen in einer Welt, die sich gegenwärtig während der sich anbahnenden Superkrisen, Superkriege und Superwahlergebnisse (Silvio Berlusconi, Brexit, Theresa May, Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan, Viktor Mihály Orbán, Roderigo Duterte, Mateusz Morawiecki) erst wochenlang damit beschäftigt welche Fußballmannschaften in welchen Ligen auf- und absteigen und nun seit Tagen die Berichterstattungen sämtlicher seriösen Nachrichtenportale mit Bildern einer Hochzeit flutet, da ein Ed Sheeran-Double, das gerade mal auf Platz sechs der britischen Thronfolge steht irgendein amerikanisches Seriendarsteller-Sternchen heiratete.
Das scheinen offenbar die wichtigsten Nachrichten zu sein, das scheint dem Hauptinteresse des Urnenpöbels zu entsprechen, während wir fleißig Waffen exportieren und dafür sorgen, daß täglich Myriaden Arme und Kinder krepieren.

Théophile de Giraud, unglücklich über seine Geburt, stellt diesem Irrsinn seine überaus beeindruckende Schriftstellerkarriere entgegen:

[…..] "Womit de Giraud einen Großteil seiner Zeit verbringt, zeigt auch der Schuhkarton, den er mitgebracht hat. Darin ist eine Auswahl der Bücher, die er in den letzten fast zwanzig Jahren verfasst hat. Keins davon ist übersetzt, aber die Titel sprechen für sich: Von der Unverschämtheit, sich fortzupflanzen (2000), Einhundert Haikus zur Beschwörung der Toten (2004), Die Kunst, die Fortpflanzer zu guillotinieren: Antinatalistisches Manifest (2006), Diogenesen: fluoreszente Gedichte zur Zeit zwischen zwei Genoziden (2008). Aphorismensammlung zum Nutzen künftiger Familizide (2013). Alle seine Verleger seien pleite, sagt er. Wenn jemand ein Buch von ihm bestelle, müsse er selbst ein paar Euro drauflegen, damit ein Exemplar gedruckt werde." [….]

Dabei hat der gute Mann so RECHT!

[….] Der Schmerz ist immer größer als das Glück
Wie begründet man, dass nichtleben besser ist als leben? Erstens sei der Schmerz, den man im Leben erleide, immer intensiver und anhaltender als das Wohlgefühl, sagt de Giraud. "Vergleichen Sie mal eine Migräne mit einem Orgasmus." Zweitens sei das Unglück immer schon präsenter als das Glück: "Es ist viel schwieriger und unwahrscheinlicher, glücklich zu werden, als unglücklich zu sein." Drittens brächten Glücks- und Unglücksempfinden ein jeweils anderes Zeitgefühl mit sich: "Unglück dehnt die Zeit, Glück komprimiert sie." In der Summe ergebe das eine Existenz, die man besser gar nicht erst anfangen sollte. Glücklich ist, wer nicht geboren wird. […..]

Samstag, 19. Mai 2018

Heulen und Zähneklappern.


Traue keiner Umfrage, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Aber viel Auswahl gibt es nicht, um sich den Zustand der Nahles-SPD schönzureden.
Das geht runter bis 16% bundesweit in der Sonntagsfrage.
Man könnte natürlich etwas dagegen unternehmen, indem die fähigen Sozi-Minister sich sauber positionierten, mit klaren Konzepten und mutigen Vorschlägen glänzten und die Unions-Schlafmützen alt aussehen ließen; während die Partei- und Fraktionschefin auf der großen Bühne ihre Freiheiten nutzte nicht an die Kabinettsdisziplin gebunden auf CDU und CSU einzudreschen.
Sie könnte sachlich in der Wortwahl, aber brutal in der Konsequenz die Doppelzüngigkeit und Lobbyhörigkeit, die moralische Niedertracht der Spahns, Seehofers und Dobrindts brandmarken.
Wöchentlich müßten alle SPD-geführten Ministerien mit einer Bestandsaufnahme an die Presse gehen: Das ist derzeit das größte Problem, x haben wir dagegen getan und y könnten wir tun, wenn nicht der größere Koalitionspartner auf z bestünde und somit auf der Bremse stehe.
Es hindert doch niemand die SPD daran mit glasklaren Alternativen zur Ungerechtigkeit der Gesellschaft, zu Cannabis, Sterbehilfe, Krankenversicherung, Steuerprivilegien für Superreiche, Trump, EU und Rüstungsexporten die Kanzlerin an die Wand zu pressen.
Sie macht in den vergangenen vier Wochen als Parteivorsitzende genau das was man von ihr schon seit 30 Jahren in Top-Positionen der Partei kennt: Dumpf und dämlich die SPD weiter in die Scheiße reiten.
Grinsend und lachend blamierte sie sich bis auf die Knochen, als die auf der Zugspitze oder in Meseberg neben den rabiat hetzenden CSUlern stand und es nicht fertigbrachte den kleinsten Widerspruch zu formulieren.


Immer noch folgt man im Willy-Brandt-Haus konsequent dem Motto “Die SPD scheißt in jede Hose, die man ihr hinhält”.
Da sitzt Hubertus Heil auf dem größten Etat der Bundesregierung, während Deutschland täglich mit neuen Reportagen über die rapide zunehmenden Ungleichheit und das Auseinanderdriften der sozialen Schichten geschockt wird; tut aber nichts. Sagt noch nicht mal weswegen er nichts tut oder was er gern täte, wenn er freie Hand hätte.
Nahles liefert die SPD zusätzlich dem Gespött aus.


Und so tun die Sozis wieder das was sie am besten können.
Lamentieren, sich selbst zerfleischen, die eigenen Leute attackieren, über die Ungerechtigkeit der Welt flennen.

[…..] Fehlstart in den Neustart […..] Andrea Nahles muss die Brille abnehmen, die Tränen sind ihr gekommen. So vergnügt geht es an ihrem Stehtisch am Donnerstagabend in der hessischen Landesvertretung in Berlin zu. Es ist Apfelweinanstich der hessischen Parteifreunde. Nahles kann eine Auszeit vom Berliner Politikbetrieb da draußen gerade gut gebrauchen. "Wo ist der Äppelwoi, Leute?"
[…..] Zwei Monate ist die neue große Koalition jetzt alt. Gemessen an den Erwartungen in den eigenen Reihen lässt sich festhalten: Die SPD hat einen Fehlstart hingelegt. Ein Weiter-so wie in der vergangenen Legislatur werde es nicht geben, hatten die Befürworter der großen Koalition um Nahles beteuert. Aber dann fühlte es sich doch wieder sehr nach Weiter-so an. […..] Jene in der Partei, die meinten, die Neuauflage von Schwarz-Rot bedeute den Untergang für die SPD, fühlen sich bestätigt. In den Umfragen ist die SPD zwischenzeitlich noch weiter abgerutscht. Neulich sah ein Umfrageinstitut die SPD bei nur noch 16 Prozent. In solchen Momenten fährt es vielen Sozialdemokraten eiskalt in die Knochen. Es ist längst ein Existenzkampf, den die Sozialdemokratie führt. […..]

Ich glaube noch nicht mal, daß Nahles bösartig, oder unwillig ist. Sie kann es wirklich nicht besser, weil sie nicht gerade das hellste Licht auf der politischen Torte ist. Das zeigt ja ihr tumbes Verharren im konservativen Katholizismus.
Man sollte ihr also keine Vorwürfe machen.
Ja, es kann theoretisch passieren, daß irgendein Schimpanse aus Versehen ein Shakespeare-Stück schreibt, wenn man ihn lange genug auf einer Schreibmaschine rumtrampeln lässt.
Aber wir sollten Nahles nicht ganz so viel Zeit einräumen und fatalistisch auf das Eintreten eines „SPD-Neustarts“ warten, der unter ihr deutlich unwahrscheinlicher als sechs Richtige im Lotto ist.
Diese Parteichefin wird es maximal dazu bringen den Demokraten-Geronten Pelosi und Schumer im November 2020 die Hand zu reichen, wenn durch ihr bräsiges Aussitzen Trump gerade in die zweite Amtszeit gewählt wurde.

Freitag, 18. Mai 2018

Feine Unterschiede


Trump ist ein Genie.
Er ist zu beachtlichen kognitiven Leistungen fähig.

(….) Nach einem Jahr im Amt bestätigte Ronny Jackson, der offizielle Arzt des Weißen Hauses sogar Trumps mentale Fitness.
Das golfende Genie hatte soeben den MoCa fehlerfrei absolviert. Eine ungeheure Leistung. Er konnte also ein Uhrenziffernblatt (zehn nach elf!) zeichnen und ist zu weiteren geistigen Höchstleistungen fähig.

Test zur geistigen Gesundheit: Trump kann Löwe und Nashorn benennen.

Natürlich prahlte er sofort mit diesem Sensationsergebnis.(….)
(Comedytime, 02.05.2018)

That said:

Es gibt sogenannte Schurkennationen, die sich mit dem Westen mit komplizierten Abkommen darauf einigten auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten, sich dabei kontrollieren zu lassen und dafür wirtschaftlich sukzessive weniger sanktioniert zu werden.
Beispiele sind

1.) Libyen 2003.
 Nach langen Sanktionen erklärte Gaddafi im Dezember 2003 den Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen und ließ anschließend die Komponenten der Waffen vernichten. Ab März 2004 kooperierte Gaddafi vollständig mit der IAEO, ließ sich auf umfassende Kontrollmöglichkeiten der Nuklearanlagen des Landes ein.
2.) Irak 1995
Nach schwersten Sanktionen in deren Folge etwa 1,5 Millionen irakische Kinder unter 14 Jahren starben, drückte die US-Administration im Jahr 2002 die inzwischen tragisch legendäre 19. Irak-Resolution 1441 durch. Der Irak kooperierte vollkommen und gewährte dem UN-Waffeninspekteur Hans Blix mit einem gewaltigen Team vollen Zugang. Es wurden keinerlei Massenvernichtungswaffen gefunden.
Das Atomprogramm des Iraks war bereits 1991 durch die UN-Resolution 687 beendet worden. Die IAEA führte in den folgenden 16 Jahren umfangreiche Inspektionen durch.

Diese Kooperation mit dem Westen ist nicht unbedingt bekömmlich.

Saddam Husseins Land wurde 2003 von den USA, GB und Co angegriffen und zerstört. Er wurde im Dezember 2003 verhaftet, dann langer verhört und gefoltert. 2006 wurde er unter Gelächter und Demütigungen gehenkt.

Muammar al-Gaddafis Land wurde 2011 von den USA, GB und Co angegriffen. Er floh am 25.Oktober 2011 aus Tripolis, aber sein Konvoi wurde von NATO-Flugzeugen beschossen. Bei dem Versuch sich in einer Betonröhre zu verstecken, wurde Gaddafi aufgegriffen, schwerstens misshandelt und schließlich mit seinem Sohn Mutassim und seinem Sicherheitschef Mansur Dao zu Tode gepfählt.

John Bolten, radikal kriegerischer Sicherheitsberater Trump erinnerte Kim Jong Un an das Modell Libyen 2003 und meinte damit, Nordkorea könne bei voller Kooperation beim Abbau seiner Atomwaffen Stück für Stück wieder Teil der Weltgemeinschaft werden und von den Sanktionen befreit werden.

Nun ist Trump allerdings ein Mann, der grundsätzlich gar nicht liest, ein miserabler Schüler war, sich nie briefen lässt und zudem auch nur eine 30-Sekunden-Aufmerksamkeitsspanne hat.
Er „informiert“ sich nur durch FOX-News, während er Fast Food in sich hereinstopft.
Offenbar hatte er gehört, was 2011 mit Gaddafi geschehen war, weil ihn sicher beeindruckt hat, wie ein über Jahrzehnte allmächtiger Staatschef im Dreck liegend zu Tode penetriert wurde.
Von der Vorgeschichte, den Verhandlungen mit der UN über das Lybische Atomprogramm, die Aufhebung der Sanktionen und Gaddafis Kooperation mit Waffeninspektoren weiß Trump nichts.

Daher blamierte er sich mal wieder coram publico, als er erst von Kim Jong Un ausgetrickst wurde, indem dieser mit einer Absage des Gipfels drohte, während Trump schon mit dem verdienten Friedensnobelpreis prahlte und anschließend zu allem Übel auch noch die Pläne seines eigenen Sicherheitsberaters Bolton ad absurdum führte, weil er den Unterschied von „Libyen 2003“ und „Libyen 2011“ gar nicht kannte.


Es stimmt schon, Trump kann Löwe und Nashorn auf Kinderzeichnungen unterscheiden, aber die Unterschiede von internationalen Großkrisen kennt und begreift er nicht.

[….] Trump Tries to Clarify Bolton’s “Libya Model” Comments, Clearly Doesn’t Understand Them [….]
It’s a little hard to figure out what the president is talking about here. It may be, as New York Times White House correspondent Peter Baker surmises, that Trump thinks the “Libya model” in question was not the 2003 agreement in which Libya’s government renounced its weapons-of-mass-destruction programs and allowed international inspectors, but the 2011 military intervention itself. “If you look at that model with Qaddafi, that was a total decimation,” Trump said.
Trump also said, “When John Bolton made that statement, he was talking about if we’re going to be having a problem because we cannot let that country have nukes. We just can’t do it.”  This is definitely not what Bolton was talking about. [….]

Schade, wenn man doof UND US-Präsident ist.
Dann reicht der MoCa-Test als Qualifikation nicht aus.
Außer Nashorn und Löwe muss man noch andere Dinge auseinander halten können.

[….] Treffen mit Bill Gates
Donald Trump kennt nicht den Unterschied zwischen HIV und HPV
Gebärmutterhalskrebs oder Aids - gibt es da eigentlich einen Unterschied? Dem US-Präsidenten ist das nicht klar, wie Bill Gates berichtet. Er traf Trump - und wunderte sich noch über andere Dinge.
Die persönliche Begegnung mit Donald Trump hat auf Microsoft-Gründer Bill Gates nachhaltig Eindruck gemacht - und zwar einen ziemlich schlechten. Zum einen, weil der US-Präsident bei einem Treffen mit Gates' Tochter kurz verschwand, um danach per Hubschrauber zurückzukehren. Bei einer späteren Begegnung mit Gates selbst sei dann das Aussehen der Tochter das wichtigste Thema des US-Präsidenten gewesen.
Zum anderen, weil Trump den Unterschied zwischen HIV (Virus, das unbehandelt zur Immunschwächekrankheit Aids führen kann) und HPV (Viren, die unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen können) nicht kannte und mehrfach danach fragte. Gates süffisant: "Diese beiden Abkürzungen werden eigentlich nur sehr selten verwechselt."  [….]

Trump muss das aber auch nicht wissen, weil seine Wähler das auch nicht wissen.
Mit Bildungen haben es die Amis nicht so. Insbesondere wenn es um das Ausland geht.