Montag, 20. November 2017

FDP, die Eskapisten

Blöd irgendwie, Trittin gibt ein ZDF-Interview, in dem er erklärt, die Jamaika-Koalitionsverhandlungen wären fast in trockenen Tüchern. Der Soli für 75% der Menschen komplett abgeschafft, anlassbezogene Vorratsdatenspeicherung im Sinne der FDP geändert, elf Millionen Euro zusätzlich für die Bildung, die FDP sollte zehn Milliarden Euro für ihre Digitalisierung bekommen, sogar beim Thema Migration hatten sich Grüne und CSU geeinigt und dann haut die FDP aus Angst vor einer Einigung ab.
Anschließend wird Wolfgang Kubicki interviewt, gibt sich verbiestert, weil er nicht den Schwarzen Peter überreicht bekommen will. Trittin operiere wie so oft am Rande der Wahrheit; eigentlich hätte man weit auseinander gelegen.
Um 20.15 Uhr befragt Tina Hassel im ARD-Brennpunkt Frau Merkel nach dem Tathergang und sie bestätigt 100%ig die Darstellung Trittins; kann die FDP nicht verstehen.
Lindner wollte die Sondierungen von vorn herein gegen die Wand fahren lassen; suchte nur nach einem Vorwand.

[….] So wirkte es in der Tat. Christian Lindner hatte ein vorgeschriebenes Statement parat, es gab Sharetags im Internet, die quasi zeitgleich mit dem Abbruch der Gespräche verbreitet wurden. Aber es ist jetzt auch egal, ob die FDP am Sonntagabend oder schon vor drei Wochen entschieden hat, Jamaika scheitern zu lassen. [….]

32% der Bundesbürger geben laut ARD-Umfrage Christian Lindner die Schuld.
Noch mehr sind es laut SPON-Umfrage.
Eine eigentümliche Koalition aus CSU, Grünen und CDU, die mit wütend bebenden Fingern auf die FDP zeigt.
Das sei eine gut vorbereitete Spontanität, mit der die FDP sich vom Acker gemacht habe, merkte CDU-Vizin Klöckner an.
Linders Flucht vor der Verantwortung wächst sich zu seinem Hauptcharaktermerkmal aus. Schon im Jahr 2000 nach seiner Moomax-Pleite lief Lindner weg und stand nicht für sein finanzielles Desaster gerade.

 [….] Unter dem Motto „Leistung muss sich wieder lohnen“ hatte der blutjunge Lindner nach seinem Landtagseinzug 2000 mit seinem Bekannten Hartmut Knüppel am 29.Mai 2000 die Internet-Firma „Moomax“ gegründet
Das Internet boomte und der schlaue Lindner wollte ein großes Stück vom Kuchen. 
Er brachte 30.000 Euro Eigenkapital auf  und holte sich weitere 1,2 Millionen Euro von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der Erfolg war rekordverdächtig. 
In nur 18 Monaten hatte Lindi das gesamte Kapital verbrannt.

[….] Das ganz dolle Team "von Informatikern, Drehbuchautoren, Psychologen, Linguisten, Journalisten und Betriebswirten" wird sich jetzt wohl was anderes suchen müssen, weil der Markt für Avatare, offen gesagt, ziemlich tot ist. [….]

Knüppel und Lindner wurden gefeuert. Der Staat blieb auf den 1,2 Millionen Linder-Miesen sitzen, für seine Eselei blecht nun der Steuerzahler und Lindner machte Karriere in der Marktwirtschaftspartei FDP. 
[….] Lindner gründete noch die zunächst als knüppel lindner communications gmbh firmierende Unternehmensberatung Königsmacher GmbH, die er auch sofort in den Sand setzte.

[….] Was Parteichef Andreas Pinkwart als "Achterbahnfahrt der New Economy" beschrieb, ist für Lindner peinlich. Seine Internet-Firma Moomax GmbH ging nach 17 Monaten mit dem Neuen Markt unter. Dabei verflüchtigten sich weit über eine Million Euro öffentlicher Fördergelder. Andere Lindner-Firmen, wie die Unternehmensberatung "die Königsmacher GmbH", kamen erst gar nicht gut genug in Gang, um so viel Geld verbrennen zu können.

Immerhin brachte es der Porsche-fahrende Zivildienstleistende durch seine politischen Verbindungen bis zum Luftwaffen-Hauptmann der Reserve! 
Freunde muß man haben.
Politisch war Lindner bekanntlich ähnlich erfolgreich! Unter seiner inhaltlichen Führung als FDP-Generalsekretär surrte die FDP von 15% auf 4% zurück. [….]

2011, als die schwarzgelbe Bundesregierung strauchelte, die er 2009 mitorganisiert hatte, lief er weg, warf sein Generalsekretäramt hin.

Als die FDP bei der Nordrheinwestfälischen Landtagswahl am 14.05.2017 in Lindners Heimatbundesland sagenhafte 12,6% errang und sich zur allgemeinen Überraschung eine komplette Ablösung von RotGrün ergab, lief Lindner wieder weg, wollte als Landtagsfraktionsvorsitzender keinesfalls ein Ministeramt übernehmen oder der Regierung angehören.

Landtagswahl in Niedersachsen am 15.10.17, die SPD schneidet überraschend gut ab, aber ganz knapp reicht es nicht für Rotgrün. Um die verhasste Groko zu vermeiden, möchte die amtierende rotgrüne Minderheitsregierung eine Ampel mit der FDP bilden. Lindners Jungs laufen wieder weg, entziehen sich der Verantwortung, wollen um keinen Preis in eine Regierung eintreten.

Und nun, am 19.11.17 kurz vor Mitternacht, man hatte sich fast mit Union und Grünen geeignet, steht Lindner wortlos auf und läuft weg.
Der Hepatitisgelben mutieren von der Partei der Besserverdienenden über den Status der Null-Themenpartei zur Eskapismuspartei.

 Lindner geht es um - Lindner
FDP-Chef Christian Lindner hat sich aus der Verantwortung gestohlen und leichtfertig mit Grundsätzen deutscher Politik gebrochen. […..]

Lindner, der sich mehr und mehr als Gauland 2.0 präsentierte, tat alles, um die Jamaika-Sondierungen zu torpedieren.
CSU und FDP frönten ihrer Destruktivität im Glauben den Grünen anschließend den Schwarzen Peter zuschieben zu können.
Das wird, wie erste Umfragen zeigen, schwer.
Denn die Grünen hatten alles abgeräumt. Kohleausstieg, Elektroautos waren nicht mehr so wichtig und sogar die 200.000-Obergrenze wollten sie akzeptieren.
Derart geschmeidige Krötenschlucker taugen nicht als Sondierungs-Buhmann.
Von derartigem Kontorsionskünstlertum der Ökopartei bekommt die  Grünenbasis zwar Magenkrämpfe, aber Lindners Eskapisten sind kunstvoll ausmanövriert und stehen nun allein im Du-bist-schuld-Shitstorm.

[….] Aus dem Staub gemacht
Christian Lindner hat mit seinem abrupten Abbruch der Sondierungsgespräche Union und Grüne vor den Kopf gestoßen. Der Verdacht liegt nahe, dass er die Jamaika-Regierung nie ernsthaft wollte. [….]

[…..] Die FDP hat Jamaika nicht zufällig ruiniert, sondern mit strategischer Absicht. Lindner hat die Verhandlungen beendet – nicht weil diese komplett festgefahren waren, sondern weil den Liberalen das Schlimmste drohte: das Gelingen. […..] Die Chuzpe, mit der die FDP diese Verhandlungen hat scheitern lassen, ist bemerkenswert.  Lindner hat die FDP jetzt dorthin gesteuert, wo er sie von Beginn an haben wollte: als markige Opposition gegen die sogenannten Weiter-so-Parteien, gegen die Merkel-CDU und die Realo-Grünen. Mit welcher konkreten Forderung die FDP denn auf Granit gebissen hat, können Lindner & Co kurioserweise gar nicht angeben. Die FDP stürzt die Republik in eine Krise, ohne das triftig erklären zu können. Viel Pose, – „wir gegen die grün-christdemokratische Einheitsfront“ – und wenig Substanz. Wer da vage an Trump denkt, liegt nicht falsch. […..]

 [….] "Lindner wollte offensichtlich nicht regieren" […..]

[….] Es ist, Helmut Schmidt hat Genscher seinen Verrat 1982 nie verziehen, nicht das erste Mal, dass die Liberalen mit einem umstrittenen Manöver eine Koalition sprengen.  Ob es sich für Christian Lindner gelohnt hat, bei den Jamaika-Verhandlungen die CSU in Sachen Migration und Klimaschutz rechts zu überholen und seine Partei in trübe AfD-Gewässer zu steuern, wird sich zeigen, wenn es zu Neuwahlen kommt. […..]

[….] Ego-Politiker Christian Lindner - Der Wirtschafts-Flüchtling [….]

[….] Zuwarten und zugucken - das war ja immer Merkels Rezept. Dieses Mal ist es nicht aufgegangen. Der unberechenbare Herr Lindner von der FDP hat die Kanzlerin in die Ecke gespielt. Nun steckt sie in der Klemme. Und mit ihr das ganze Land. Es ist sehr fraglich, ob das Lindner nützen wird. Aber es ist sicher, dass es Merkel schadet. Sie wird nur darum nicht vom Thron gestoßen, weil niemand sich in ihren Scherbenhaufen legen will. [….] Man tut Christian Lindner sicher nicht Unrecht, wenn man annimmt, dass es nicht Prinzipientreue war, die ihn dazu veranlasste, die Gespräche für die sogenannte Jamaikakoalition scheitern zu lassen.
Lindner entpuppt sich als Spieler, der den Einsatz erhöht, weil er nach dem Hauptgewinn schielt. Es sollte zu denken geben, dass dieser Ehrgeizige mit dem Abbruch des Jamaika-Projekts der Mitte, in der doch hierzulande angeblich alle Wahlen gewonnen werden, die kalte Schulter zeigt.[.....]  Er sucht sein politisches Heil darin, die FDP auf nationalliberalen Kurs zu drehen. Sein gefährliches Vorbild ist klar: der Erfolg des noch jüngeren Österreichers Kurz. In einer gar nicht so fernen Post-Parteien-Zukunft, in der endgültig das Primat des Persönlichen obsiegt hat, könnte er, Christian Lindner, der erste gleichsam überkonfessionelle Kanzler der Republik werden. Was für eine grauenhafte Vorstellung. [….]

Die FDP-Spindoktoren, die Lindner als prinzipientreuen Macher jenseits persönlicher Interessen darstellen sollten, müssen noch lange nachsitzen.
Das Gegenteil wurde erreicht. Die FDP steht als reine Ego-Partei ohne Sinn für das Allgemeinwohl da.